Jutta vom Label "Hinterm Stein" im Interview - Pascuali

Jutta vom Label "Hinterm Stein" im Interview

Jutta rangiert seit Jahren unter den Top 50 in der internationalen Rangliste von Ravelry. Ihre Designs sind klar, klassisch und alle mit einer gewissen Raffinesse – auch Profistrickerinnen können bei Juttas Entwürfen noch neue Techniken lernen. 

Von Sandra Sonnenburg

Jutta rangiert seit Jahren unter den Top 50 in der internationalen Rangliste von Ravelry. Ihre Designs sind klar, klassisch und alle mit einer gewissen Raffinesse – auch Profistrickerinnen können bei Juttas Entwürfen noch neue Techniken lernen. 

Gerade hat Jutta ihr zweites Design aus einem unserer Garne entworfen – das Solo Sole Top aus unserer Sole. Aus diesem Anlass begrüßen wir Jutta in unserem Bloginterview, um Sie Dir heute vorzustellen.  

Liebe Jutta, herzlich Willkommen zum Interview!  

Herzlichen Dank für Euer Interesse und die Einladung zum Interview!  

Für alle, die Dich noch nicht kennen: Magst Du uns ein paar Worte zu Dir erzählen?  

Gerne erzähle ich euch ein wenig von mir:  
Hinterm Stein verbirgt sich Jutta, Strickerin und Designerin aus Leidenschaft.  
Ich bin Mitte 50, lebe mit meinem Mann in Niederösterreich in einem sehr alten Haus mit Blick auf den Ötscher und viel Gegend rundherum.

Woher kommt Dein Name „Hinterm Stein“, was hat es damit auf sich?

In unserer Gegend haben fast alle Häuser Namen. Hinterm Stein ist der Name unseres Hauses.

Als ich Ravelry entdeckt habe und mich eingeloggt habe, brauchte ich einen Namen und das war das Erste, was mir eingefallen ist… wer konnte denn ahnen, dass daraus einmal ein „Designer-Label“ entstehen würde?! Marketing-technisch ist es der Supergau. Aber ich steh‘ zu meinen Fehlern.

Ist Dein Label eine „One-Woman-Show“, oder hast Du ein Team hinter Dir zur Unterstützung?

Oh, ein Team wäre fantastisch! Aber ich mache alles selbst. Das bedeutet, erreichbar sein und Fragen beantworten rund um die Uhr - auch am Wochenende und im Urlaub.  

Aber ein großer Teil meiner Arbeit ist ja eigentlich Hobby und ich kann mich glücklich schätzen, dass ich nach 10 Jahren immer noch so viel Freude an meiner Tätigkeit habe (auch wenn es großartig wäre, wenn jemand anders das Korrigieren von Anleitungen und die Buchhaltung (bitte!) übernehmen könnte)

Weißt Du noch, was Dein erstes Strickprojekt war? Und wer hat Dir das Stricken beigebracht?

Ganz genau sogar! Das war ein roter Mantel für meinen geliebten Stoffhasen (so geliebt, dass er Gammel-Hase genannt wurde). Damals hat man noch in Teilen gestrickt und zusammengenäht. 5 kleine Quadrate waren rasch gestrickt – angeleitet von meiner Oma, die als gelernte Schneiderin für jede Art von Nadel-Arbeit eine großartige Lehrerin war.    

„Nahtlos, zeitlos, vorteilhaft & durchdacht mit Varianten für eine gute Passform - für mehr Komplimente!“ – so beschreibst Du selbst Deine Designs. Wie hat sich für Dich der Weg zum Strickdesign ergeben?

In meiner Jugend habe ich exzessiv gestrickt, um langweilige Schulstunden zu verkürzen und auch sehr viel genäht. Alles, bis hin zum Ballkleid für den Opernball. Von meiner Mutter habe ich früh das Nähen, und im Rahmen meiner schulischen Ausbildung auch Schnittkonstruktion und Modellgestaltung gelernt, um meine eigenen Entwürfe umzusetzen.

Nach vielen Jahren Pause bekam ich wieder Lust auf das herrliche Gefühl von weicher Wolle. Also habe ich das Stricken wieder aufgenommen. Nach eigenen Ideen, weil das, was ich in Magazinen gefunden habe, meinen Vorstellungen nicht entsprochen hat.

Das überwältigende Feedback und die motivierenden Kommentare vieler netter Strickerinnen auf der Strickplattform Ravelry haben mich dann dazu motiviert, meine Projekte aufzuschreiben. Seit 2013 schreibe ich Anleitungen, damit auch andere Strickerinnen die Freude an klassisch-schönen Strickdesigns mit mir teilen können.  

Deine Anleitungen sind alle sehr ausführlich, durchdacht, teilweise außergewöhnlich und für viele Größen konstruiert und haben allesamt das „Gewisse Etwas“. Woher kommt der Focus auf die besonders gute Passform?

Jeder Körper ist einzigartig und ist es wert, mit einem richtig passenden Strickstück umschmeichelt zu werden. Ich lege daher viel Augenmerk auf die Passform und die richtigen Proportionen für alle Größen und biete immer auch eine Menge Varianten an.  
Ich möchte, dass jede Strickerin gut aussieht in einem Design von Hinterm Stein – und ganz lange Freude daran hat.

Auch versierte Strickerinnen können aus Deinen Anleitungen oft noch was lernen, sei es eine neue Technik oder auch eine neue Konstruktion. Das macht Deine Anleitungen oft anspruchsvoll. Dein Erfolg allerdings zeigt, dass die Strickerinnen sich auf das Abenteuer Deiner Designs einlassen. Wagnis oder kalkuliertes Risiko? Hast Du beim Entwerfen keine Bedenken, Deine Fans zu überfordern?

Geht nicht, gibt’s nicht! Man wächst ja immer auch mit der Aufgabe!  

Ich weiß, dass meine Modelle oft schwierig aussehen, aber dafür sind die Anleitungen ja auch so genau geschrieben. „Ich stelle jede Masche persönlich vor“, und für komplizierte Konstruktionen gibt es Zeichnungen. Da kann eigentlich gar nichts schiefgehen.  

Wer die Grundtechniken beherrscht und genau lesen kann, wird jedes Modell von Hinterm Stein stricken können. Und falls es doch einmal nötig sein sollte, bin ich immer bereit, Fragen zu beantworten.  

Es sind auch eher seltene gestrickte Kleidungsstücke wie klassische Blazer unter Deinen Designs. dafür eher weniger Accessoires wie Tücher, Mützen oder Handschuhe. Hast Du eine besondere Liebe zur Oberbekleidung?  

Ich finde es herrlich, ein bequemes Teil aus weicher Wolle zu tragen und doch gut angezogen zu sein, wenn es drauf ankommt - sei es zu einem Termin im Büro, einem Sonntagsbrunch oder einer Einladung.  

Es stimmt, ich stricke am liebsten spannende Konstruktionen und Kleidungsstücke. Für Accessoires fehlt mir dann leider oft die Zeit, aber es gibt jedes Jahr einen Sommer-Schal und ein paar Kleinigkeiten vor Weihnachten.  

Nach dem Pullover „Drop Me A Line“ aus unserer Tibetan hast Du nun das zweite Design aus einem unserer Garne entworfen – das sommerliche Trägertop „Solo Sole“. Wie entstand der Kontakt zu Pascuali?  

Ich hatte diese Idee für den Pullover und habe nach einem weichen, hochwertigen Material gesucht, - wie immer die schwierigste Aufgabe im Design-Prozess. Aber ich finde, hier ist die Kombination vom schlichten Design mit dem hochwertigen Garn ganz besonders schön gelungen.  

Paul war so nett, gleich auf eine Kooperation einzugehen.  

Gibt es etwas, das Du an unseren Pascuali-Garnen besonders schätzt?  

Ich finde die eleganten, gedeckten Farben besonders schön und die Tatsache, dass alles Naturmaterialien in auserlesener Qualität sind. Wenn ich so viele Stunden in ein Strickstück investiere, möchte ich auch, dass es von guter Qualität ist und sich toll anfühlt.

Hast Du schon ein Lieblingsgarn aus unserem Sortiment, und warum?

Tibetan ist wohl die weichste Wolle, die ich je in Händen hatte (mindestens so weich wie Kaschmir)! Aber es gibt noch so viele und ich habe ja noch gar nicht alle ausprobiert!  

Was macht für Dich ein Garn zu einem Lieblingsgarn, und welche Kriterien sind für Dich maßgeblich, um aus einem Garn ein Design zu entwerfen?

Gute Qualität ist mir wichtig. Und klassisch-elegante Farben. – Ich trage meine Sachen gerne viele Jahre, daher wähle ich meist auch gedeckte Farbtöne. Mit einem Accessoire oder Top darunter kann man ganz einfach Kontraste und modische Akzente setzen und hat ewig Freude an einem Pullover oder einer Jacke, ohne dass er aus der Mode kommt.  

Du setzt auf klassische, zeitlose Designs, die auch selten übermäßig bunt sind. Spielt da der Gedanke an Nachhaltigkeit eine Rolle?

Ich habe in meinem Schrank mehrere Blazer und Kleider seit 10 oder 20 Jahren hängen, die ich heute noch trage. Zeitloses Design und gute Qualität in Material und Umsetzung ist mir wichtig.

Natürlich mag ich auch mal ein Shirt, das eine modische „Ablaufzeit“ hat, aber ich finde es mehr als zynisch, heutzutage von eco-friendly und sustainable zu sprechen, wenn ein Stück aus Recycling-Material hergestellt wird und dabei eine so minderwertige Qualität hat, dass es nach 3-maligem Tragen auseinanderfällt. Und dann wird das Plastik auf die Müllhalde geworfen, wo es nicht verrottet.    

Welche Rolle spielen Modetrends in Deiner kreativen Ideenfindung?  

Natürlich schaue ich mich um, was gerade angesagt ist, aber im Grunde bleiben meine Designs zeitlos, so dass ich sie auch in ein paar Jahren noch gerne trage.  

In welchen Sprachen bietest Du Deine Anleitungen an, und wo überall auf der Welt befindet sich Dein Publikum?

Ich kann mich noch erinnern, wie aufregend es war, als die erste Kundin aus Australien oder Singapur eingekauft hat (mitten in der Nacht). Es ist faszinierend, wo überall gestrickt wird. Ich glaube es gibt kein Land auf der Welt ohne Strickerinnen. Eine großartige Community und lauter nette Leute! Ich glaube, Strickerinnen sind so besonders nette Menschen, weil Stricken einfach zum Wohlbefinden beiträgt. Weiche, warme, angenehme Wolle in Händen, … und mit einer guten Anleitung auch immer entspannend 😊

All meine Anleitungen gibt es auf Deutsch und Englisch. Einige wenige auf Italienisch und Französisch. 

Wie läuft die Ideenfindung bei Dir ab? Spricht das Garn zu Dir, oder hast du erst einen Schnitt im Kopf, zu dem Du dann das passende Garn suchst?

Meistens ist erst die Idee da, und dann kommt die schwierige Suche nach dem richtigen Garn (Ausnahmen bestätigen die Regel).  

Strickst Du gleich los, wenn die Idee im Kopf und das Garn bereit ist, oder arbeitest Du eher planvoll mit Skizze auf Papier und Taschenrechner?  

Eine Skizze gibt es eigentlich immer, weil ich jeden Tag unzählige kleine Zeichnungen mache, immer wenn mir etwas einfällt. Auf meinem Schreibtisch und auf meinem Nachttisch liegen hunderte Zettel mit Entwürfen. Allerdings halte ich mich beim Stricken nicht sklavisch daran. Die wichtigsten Zahlen für meine Größe rechne ich mir aus, stricke dann aber oft nach Gefühl weiter. Und nicht selten bedeutet das, dass ich ribbeln muss, öfters auch mehrfach. Denn ich bin Perfektionistin durch und durch.  

Erst beim Schreiben der Anleitung stellt sich heraus, wie kompliziert es ist, das Ganze auf Papier zu bringen. Und dann soll es auch noch in allen Größen funktionieren, ohne dass man für jede Größe 10 Seiten extra schreiben muss. Das ist eigentlich der schwierigste Teil. Der hält mein Hirn aktiv. Gut gegen Alzheimer. 😉

Stricken ist nach wie vor im Trend, und es gibt viele Strickdesigner*innen auf der Welt, die sich gerade am Beginn ihrer Designlaufbahn befinden. Hast Du Ratschläge, die Du mit ihnen teilen willst?

Dranbleiben und sich nicht entmutigen lassen, wenn ein Design mal nicht erfolgreich ist. Top oder Flop liegen nah beisammen und es lässt sich nie voraussehen, was gerade gut ankommt.  

Und versuchen, gute Qualität zu liefern. Das bedeutet vor allem fehlerfreie Anleitungen, die in allen Größen getestet wurden. Die Hilfe von Teststrickerinnen ist unschätzbar!  

Wie sieht Deine weitere Planung für die nächsten Jahre aus, beruflich und privat?  Worauf dürfen wir uns freuen?  

Da es gefühlt eine Million Zettel mit Ideen gibt, werde ich vermutlich noch viele Jahre neue Designs hervorbringen. Vielleicht ein Buch? Damit liebäugle ich schon eine Weile, aber noch ist es nur ein Gedanke. Und es fehlt mir die Zeit. …  

Für viele bedeutet Stricken (oder kreative Hobbies allgemein) einen Rückzug aus dem komplexen, schnellen und stressigen Alltag in eine Zone, in der man selbst mit eigenen Händen aus schönem Material etwas erschaff, an dem man anschließend Freude hat. Welche Rolle spielt Stricken für Dich heute als erfolgreiche Designerin? Entspannung, oder doch eher Arbeit?

Ob es kleine Pröbchen mit neuem Garn sind oder ein ganzer Pullover. Das Stricken macht mir immer noch viel Freude. Allerdings ist es nicht immer Entspannung pur, ich treibe mich manchmal zu sehr an, weil ich schon das nächste Projekt im Kopf habe. Das ist ein Ziel für die nächsten Jahre: etwas entspannter zu werden und den Prozess an sich mehr zu genießen.  

Und zum Schluss: verrätst Du uns noch ein Fun Fact über Dich?

Meine Schulzeit, vor allem in der Oberstufe, habe ich fast ausschließlich strickend verbracht, lernen war nicht meine Lieblingsbeschäftigung, und mitschreiben schon gar nicht. In unserer Maturazeitung stand: „Jutta sollte professionelle Strickerin werden, denn das kann sie am besten“  

Wenn das keine Prophezeiung ist … 😉


Du möchtest Jutta gerne folgen? Hier sind ihre Kontakte zu den verschiedenen Social-Media-Plattformen:  

Ravelry

Instagram

Homepage  

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden vor dem Veröffentlichen geprüft.

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von Google.