Aus einem Guss? Verbinden von Strick(einzel)teilen - Pascuali

Aus einem Guss? Verbinden von Strick(einzel)teilen

Es gibt verschiedene Methoden, Strickstücke miteinander zu verbinden. Die Wahl der Methode hängt natürlich von persönlichen Vorlieben ab, nicht zuletzt aber auch einfach vom Projekt. Im Folgenden stellen wir euch einige der gebräuchlichsten Techniken vor:
Kostenlose Anleitung: Kosmetikpads häkeln Du liest Aus einem Guss? Verbinden von Strick(einzel)teilen 7 Minuten Weiter Olga Fedoryak (Gotham.knits) im Interview

Von Claudia Ostrop

Wer uns kennt, weiß, dass wir große Freunde des nahtlosen Strickens sind. Egal ob top-down, also von oben nach unten gestrickt, oder bottom-up von unten nach oben: Unsere Designs sind in der Regel so konstruiert, dass man hinterher nichts zusammennähen muss. Damit ihr aber dennoch gewappnet seid, wenn ihr mal nicht am Stück stricken könnt, befassen wir uns heute mit der Frage, wie man Strickteile miteinander verbinden kann.

Es gibt verschiedene Methoden, Strickstücke miteinander zu verbinden. Die Wahl der Methode hängt natürlich von persönlichen Vorlieben ab, nicht zuletzt aber auch einfach vom Projekt. Im Folgenden stellen wir euch einige der gebräuchlichsten Techniken vor:

Einzelne Strickteile zusammennähen (Matratzen- oder Leiter-Stich)

Wenn man Strickteile zusammennähen möchte, z.B. Vorder- und Rückenteile von Pullovern oder Jacken, oder Ärmel anfügen möchte, sollte man die Strickteile tunlichst nicht aufeinander legen, wie man es beim Zusammennähen von Stoffen tun würde: Das Resultat wären dicke Wülste, die dem Kleidungsstück in puncto Bequemlichkeit und Sitz kaum zuträglich wären.

Für nahezu unsichtbare Nähte, die nicht auftragen, werden die zu verbindenden Teile flach mit der rechten Seite nach oben nebeneinander gelegt. Weil der Matratzenstich zwischen der Randmasche und der daneben liegenden Masche ausgeführt wird, die Randmasche stets ein wenig nach außen ziehen: Der Querfaden zur nächsten Masche ist nun gut zu erkennen.

Zum Vernähen verwendet man am besten das Originalgarn (wer mag und rechtzeitig dran denkt, kann auch beim Maschenanschlag ein extra langes Ende hängen lassen!).

Den Faden mit der Nadel nun von unten nach oben unter dem ersten Querfaden der einen Seite durchziehen. Dann von unten nach oben unter dem entsprechenden Querfaden auf der anderen Seiten gehen und immer so weiter: von der einen auf die andere Seite. Zwischen den Teilen bildet sich mit dem Vernähfaden eine Art Leiter – den Faden nicht immer sofort strammziehen sondern ruhig ein Stückchen verbinden und den Faden erst dann anziehen. Wenn alles richtig gelaufen ist, ist die Naht so gut wie unsichtbar und die „V“s der Maschen liegen sauber nebeneinander. Die Randmaschen bilden auf der Rückseite eine flache Naht.

Wenn man Ärmel einnähen möchte, führt man die Nadel beim Armausschnitt durch beide Beinchen der Randmasche und beim Ärmel durch beide Beinchen des „V“ der jeweils obersten Masche – wie zuvor immer von einem Teil zum anderen hin und her. Diese Naht ist natürlich nicht unsichtbar, sticht man aber immer nur in die Randmasche und die jeweils oberste Ärmelmasche (vor der Abkettkante), ergibt sich eine sehr saubere Naht.

Maschen aufnehmen und stricken

Wenn man ein Bündchen für den Halsabschluss oder eine Knopfleiste anfügen möchte, wird man diese nicht separat stricken und anschließend festnähen wollen, denn die entstehende Naht würde vermutlich stören. In solchen Fällen wird das neue Element direkt beim Stricken mit dem bisherigen verbunden: Maschen werden aus dem bestehenden Gestrick aufgenommen und gestrickt. Neben Bündchen und Knopfleisten ist dies häufig auch bei Ärmeln der Fall, für die die benötigten Maschen aus dem Armloch aufgenommen werden und der Ärmel dann bis zu den Bündchen hinab gestrickt wird.

Es gibt zwei grundlegende Varianten: Das Aufnehmen von Maschen aus einer horizontalen oder einer vertikalen Linie.

Aus der Horizontalen werden Maschen z.B. dann aufgenommen, wenn ein Bündchen oder Kragen für den Halsausschnitt angestrickt werden soll, oder wenn aus der Schulterkante von Vorder- oder Rückenteil die Maschen für die andere Schulterrichtung aufgenommen werden. Für Knopfleisten oder Ärmel werden die Maschen aus der Vertikalen aufgenommen.

Nimmt man Maschen aus der Kante eines bestehenden Strickstücks auf, sticht man mit der Nadel ins Gestrick und holt den Arbeitsfaden durch – und schon hat man eine Masche auf der rechten Nadel. Altes und neues Strickteil sind perfekt verbunden, wenn man so vorgeht.

Wenn man Maschen aus einer Anschlags- oder Abkettkante aufnimmt, wird in alle Maschen der ersten bzw. letzten Reihe vor der Kante eingestochen. Damit ergibt sich ein sauberer Übergang im Maschenbild.

Werden die Maschen aus einer seitlichen Kante aufgenommen, ist es wichtig, immer in die gleiche Kolonne Maschen einzustechen: Am besten direkt neben der Randmasche einstechen, dann ist auch die innen entstehende Naht nicht zu dick. Beim Aufnehmen von Maschen in der Vertikalen ist eines besonders wichtig: Bitte nicht aus jeder Reihe eine Masche aufnehmen! Der Grund ist simpel – Maschen sind immer breiter als hoch, deshalb lässt man beim Aufnehmen von Maschen aus einer senkrechten Kante alle 2 oder 3 Reihen eine aus, damit das neu angesetzte Teil sich nicht wellt.

Kitchener Stitch – verbinden „offener“ Maschen


Beim so genannten Kitchener Stitch werden offene Maschen so miteinander verbunden, dass es keine sichtbare Naht gibt: Der Faden wird so durch die Maschen beider Teile geführt, dass die verbindende Naht eine Reihe gestrickter Maschen nachahmt. Neben dem optischen Aspekt ist hier ein weiterer Vorteil, dass es keine erhabene Naht oder gar Wulst gibt. Deshalb kommt diese Technik z.B. beim Schließen von Sockenspitzen zum Einsatz oder bei Schulternähten, wenn von unten nach oben gestrickt wurde.

Abketten mit drei Nadeln

Ebenfalls gern verwendet zum Schließen von Schulternähten ist die Technik, mit drei Nadeln abzuketten. Dabei werden die zu verbindenden Strickteile zusammen abgekettet. Das ergibt eine robuste Verbindung:

Beide Teile werden rechts auf rechts aufeinandergelegt, so dass die Nadeln direkt übereinander liegen. Mit einer dritten Nadel wird nun in die erste Masche auf der vorderen und in die erste Masche auf der hinteren Nadel eingestochen und beide zusammengestrickt. Das gleiche macht man mit der jeweils nächsten Masche auf beiden Nadeln, und dann hebt man die erste Masche auf der rechten Nadel über die zweite – ganz wie beim normalen Abketten. Wieder die ersten beiden Maschen auf den linken Nadeln zusammenstricken und auf der rechten Nadel die erste über die zweite Masche ziehen.

Das funktioniert natürlich nicht nur mit Schulternähten sondern immer dann, wenn man „live“ Maschen auf zwei Nadeln hat, die man verbinden möchte, z.B. bei Mützen mit einem doppelten Rand.

Häkelnähte

Eine weitere Möglichkeit, Strickteile zu verbinden, ist das Zusammenhäkeln.

Man legt die beiden Teile rechts auf rechts aufeinander und sticht die Häkelnadel von vorn nach hinten durch die Randmaschen beider Teile, holt den Faden durch häkelt auf diese Weise eine Reihe fester Maschen entlang der Kanten beider Strickteile. Die Naht ist, abhängig vom Maschenbild, aber nicht wirklich unsichtbar. Da sie zudem nicht besonders elastisch ist, eignet sie sich damit eher weniger für Kleidungsstücke. Insbesondere für das Zusammensetzen von Flicken-Decken ist sie aber sehr gut geeignet.

Ziernähte


Natürlich kann man die Naht auch als gestalterisches Element einsetzen. Gerade bei Accessoires wie z.B. Taschen oder bei Decken, die aus einzelnen kleinen Teilen zusammengesetzt werden, kann man mit einer sichtbaren Naht schöne Effekte erzielen. Man könnte z.B. den Faden auf der Arbeit die Seite wechseln lassen und so die Verbindung wie geflochten oder wie mit Kreuzstich versehen wirken lassen. Einfach mal ausprobieren!

 

Für welche Methode man sich entscheidet, hängt neben der Art des Projekts und dem gewünschten „Finish“ nicht zuletzt von den persönlichen Vorlieben ab. Gerade wenn man noch keine oder nur wenig Erfahrung mit dem nachträglichen Verbinden von Strickteilen hat ist es oft hilfreich, verschiedene Methoden auszuprobieren, um diejenige zu finden, die am besten zum jeweiligen Strickstück passt und mit der man sich am Wohlsten fühlt.

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