Vikunja

Die Vikunjas (Vicugna vicugna) sind die kleinsten und seltensten Mitglieder der Gattung der Kameliden. Sie leben wild in den Hochanden auf einer  Höhe zwischen 3500 und 5500 Meter, wobei die meisten sich in Peru, Bolivien und Argentinien befinden. Sie wiegen zwischen 38 und 50 kg. Sie haben eine Körperlänge von ca. 110 bis 190 cm und eine Größe von ca.100 bis 150 cm. Sie sind beige auf dem Rumpf und weiß an den Beinen und der Brust.[1]

Abb. 21  Vikunja in Jujuy, Argentinien

 

Zur Inka-Zeiten gab es ca. 1,5 Millionen Exemplare. Auf Grund von Wilderei wegen ihrer wertvollen Fasern war ihre Anzahl dramatisch gesunken bis auf 6000 im Jahr 1965. Da sie vom Aussterben bedroht waren, sind sie im Jahr 1975 von CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) auf die internationale Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere eingetragen worden. Dies verbot den Handel mit Vikunjaderivaten. [2] [3]

Dank dieser Schutzmaßnahme ist der Anzahl der Vikunjas heute auf ca. 270.000, wie in Tabelle 5 zu sehen ist, gestiegen. Zur Folge ist ab 2002 die Gewinnung des Wollvlieses von lebenden Vikunjas erlaubt. Sie wird aber von jedem Staat kontrolliert, und der Verkauf ist nur mit einem CITES-Zertifikat möglich.

Tab. 6 Populationsentwicklung der Vikunja nach Land.

 

Chile

Bolivien

Argentinien

Peru

Ecuador

Jahr 1981[4]

7.990

4.493

8.155

61.896

0

Jahr 2012[5]

18.000

60.000

40.000

150.000

712

 

Die Vikunjafaser:

Da die Vikunjas Wildtiere und sehr empfindlich sind, ist die Gewinnung der Fasern viel anspruchsvoller als bei anderen Kameliden. Zwischen Oktober und November, je nach Temperatur und Erreichbarkeit der Vikunjas - sie leben in unzugänglichen Regionen - werden sie gefangen, wie es vor 6000 Jahren die Inkas ausgeübt haben. Diese traditionelle Methode heißt "Chacu", bei der die Vikunjaherden alle zwei Jahre während einer Zeremonie über trichterförmige Gatter in Pferche getrieben. Danach werden sie sorgfältig geschoren, durch Tierärzte geimpft und untersucht. Zuletzt werden sie wieder freigelassen. Der Chaku wird hauptsächlich von Ureinwohnern der Anden ausgeübt.

Vor den Verkauf wird das 250g [6] schwere Wollvlies eines Tieres aus Unter- und Grannenhaaren per Hand sortiert, gewogen und protokoliert.

Der Preis für 1 kg nicht gewaschene Vikunjahaare liegt über 500 USD, während die gewaschenen, entgrannten, gekardeten und versponnenen Fasern einen Preis zwischen 8.000 und 10.000 USD haben. Somit ist das Vikunjahaar die teuerste legale Naturfaser der Welt. Edle Erzeugnisse aus reinem Vikunjahaar werden in der Regel ungefärbt in seiner Kamelfarbe verkauft. Auf dem Luxusmarkt werden Mäntel für ca. 15.000 € und Schals für ca. 1.350 € angeboten.[7]

 

Abb. 22 Vikunjafaser, Pascuali

 

Technische Daten:

Die  Vikunjafaser  ist nach dem Tschiru die feinste Tierfaser mit einem Haardurchmesser zwischen 9 - 15 Mikronen. Die Messungen ergaben eine mittlere Faserlänge von 29,1 mm und eine Feinheit von 1,34 dtex.

Die Vikunjafasern sind die Fasern mit der höchsten Zugdehnung aller Camelidaen mit einem Wert von 38,31%. Die maximale Höchstzugkraft liegt bei 1,93 cN.

 

 
[1] www.ecología.info

[2] www.cites.org

[3] Fundación para la Innovación Agraria - Ministerio de Agricultura; Regierung von Chile
[4] CITES - CONSIDERATION OF PROPOSALS FOR AMENDMENT OF APPENDICES I AND II - Prop. 11.27
[5] Fundación para la Innovación  Agraria - Ministerio de Agricultura; Regierung  von Chile
[6]Manejo Comunitario de Vicuña en Perú - 2002 - ISBN: 1 84369 229 5
[7] Deutsche Welle - Interview an Pier Luigi Loro Piana - 09.05.2008

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Autor: Paul Björn Pascuali
 
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