Pascuali Babylama

19. Dezember 2013 von Martine 

Ein Garn zum ersten Mal zu entdecken, zu beriechen, zu befühlen und zu verstricken, ist immer etwas Besonderes. Das Material erzählt eine bereits geschriebene Geschichte und lädt uns zugleich dazu ein, neue zu erfinden. Diese können einfach, fröhlich, spannend, verworren, episch oder kurz sein. Bei den Garnen der Marke Pascuali beginnen sie oft am anderen Ende der Welt - und so ist es auch diesmal. Aus Argentinien kommt Babylama, eine ganz neue Kreation aus 90 % Babylama und 10 % Merino, die als Einfachgarn mit einer Lauflänge von 200 m/50 g für ein unverfälschtes und spannendes Abenteuer sorgt.

Im ersten Augenblick sind zwei Eindrücke dominant: der sehr starke Duft und die absolut ungewöhnliche Haptik. Babylama offenbart sofort, welche Tierhaare hier verwendet werden: Der Strang riecht erdig, streng und wild. Ich gebe zu, ich finde es herrlich und würde es als positive Eigenschaft auffassen; wer aber starke animalische Wollgerüche nicht mag, könnte sich daran stören. Der Faden ist ein Erlebnis. Er ist absolut matt, trocken, beinahe pudrig, in der Struktur fest, an der Oberfläche weich und wärmend, und vermittelt ein Gefühl unendlicher Geborgenheit.

Bei der Verarbeitung sollten allerdings einige Punkte beachtet werden. Babylama zeigt die typischen Merkmale eines Einfadengarns: Der englische Anschlag ist nicht möglich - ich habe für die hier gezeigten Proben auf den Häkelanschlag zurückgegriffen - und der Faden sollte beim Schließen der letzten Masche beim Abketten nicht zu fest gezogen werden. Ebenso sollte das Garn nicht zum Vernähen verwendet werden. Trotz seiner haptisch und optisch kompakten Struktur reißt der Faden nämlich sehr schnell. Das Ribbeln verträgt das Garn einerseits sehr gut - selbst bei festem Gestrick sind die Maschenspuren sehr wenig ausgeprägt und der Zusammenhalt der Fasern wird nicht in Frage gestellt -, andererseits verändert sich die Fadenoberfläche bereits nach einem Ribbelvorgang ganz extrem: Der zuvor matte und pudrig-trockene Faden wird deutlich glänzender und flaumiger. Nach mehreren Ribbelaktionen pillt der Faden schnell und verfilzt ein wenig.

Auch wenn es angesichts der hohen Lauflänge (die sich übrigens in einer verblüffenden Ergiebigkeit niederschlägt) rechnerisch merkwürdig erscheinen mag, würde ich eine Nadelstärke von 3 bis 3,5 mm empfehlen, damit die Fadenstruktur voll zur Geltung kommen kann. Babylama ist sehr angenehm zu stricken und stellt keine besonderen Anforderungen an Nadeleigenschaften und Strickgewohnheiten.

Wirklich erstaunlich ist das Strickergebnis. Obwohl Babylama in Fadenform und –volumen kleine Abweichungen aufweist, ist das Maschenbild von für ein solches natürliches Material ungewöhnlicher Qualität: Der ländliche Charakter, der hier erzielt werden soll, ist spürbar, ohne penetrant zu sein, das Gestrick wirkt niemals unruhig oder “schlampig”. Aus dieser Sicht wurde Babylama geradezu genial konzipiert. Muster kommen gut heraus und bleiben auch nach dem Waschen erhalten. Ebenso bemerkenswert ist die Oberflächenbeschaffenheit: Während viele aus Babylamahaaren gewonnene Produkte kratzig sind, ist Babylama im Gegenteil sehr weich.

Babylama eignet sich vor allem für konservative bis sportliche Kleidung und den Landhaus-Stil. Dabei sollte die nicht-grenzenlose Strapazierfähigkeit berücksichtigt werden. Babylama ist kein Strickmaterial, das man “einfach so” kauft, es ist ein Garn, für das man sich entscheiden muß und eher naturverbundene Strickerinnen glücklich machen dürfte. Für den Preis von 7,99 € ist Babylama im Pascuali-Shop zu kaufen, wo Ihr auch die Farbpalette aus 9 Tönen entdecken könnt.

  

  

  

Quelle: http://www.strickloft.kunst-loft.de/?p=3349

Vielen Dank Martine für den Testbericht!

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