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Stricken nach Anleitung

by Claudia Ostrop - 25 Apr, 2021

Inhalt


Strickanleitungen lesen und verstehen

Gehörst du zu den bewundernswerten Stricker/innen, die eine Idee haben, das passende Garn, zu den Nadeln greifen und einfach drauflosstricken? Die ein bisschen probieren, zu- und abnehmen und – tadaah! – ist etwas später ein Pullover daraus entstanden? Dann herzlichen Glückwunsch!
Aber es gibt kein Grund, frustriert zu sein, wenn du nicht zu denen gehörst – schließlich gibt es in der großen weiten Strickwelt so viele schöne Anleitungen, dass du garantiert fündig wirst. Deinem neuen Lieblingsstück steht dann (fast) nichts mehr im Wege!

Wer zum allerersten Mal in eine professionelle Strickanleitung guckt, wird sich vielleicht ein wenig erschrecken beim Anblick der vielen Buchstabenkombinationen und Abkürzungen, die einem ins Auge fallen. Keine Sorge, diese „Geheimsprache“ hat man ratzfatz verstanden – und sie hilft, das (Strick-)Leben einfacher und übersichtlicher zu machen. 

Strickanleitungen: Die Grundlagen

Bevor man sich tatsächlich für eine bestimmte Anleitung entscheidet, wirft man am besten einen Blick in die Beschreibung des Modells. Die ist vielen gedruckten Anleitungen vorangestellt (z.B. bei Strickzeitschriften oder in Strickbüchern), und es gibt fast immer eine Art „Steckbrief“ des Modells bei Online-Anleitungen im Internet. Wenn man z.B. erst im Nachhinein feststellt, dass die in der Anleitung verwendeten Techniken einem keinen Spaß machen werden, vielleicht noch zu kompliziert sind oder einem die benötigte Nadelstärke nicht besonders liegt, ist das frustrierend. Oder wenn der schöne Pullover in Einzelteilen mit vielen Hin- und Rückreihen gestrickt werden soll, und du gar nicht gern linke Maschen strickst… Der Beschreibung solltest du entnehmen können, wie das Strickstück konstruiert ist und was dich erwartet. 

Basisinformationen in Strickanleitungen – Größe, Garn und Maschenprobe

Ausschlaggebend dafür, ob du einen Pullover, ein Tuch, Socken oder etwas anderes nach einer Anleitung stricken möchtest, ist vermutlich erst einmal das Aussehen des jeweiligen Teils. 
In der Beschreibung des Modells findest du die technischen Details:

  • Aus welchem Garn ist das Muster gestrickt, für welche Garnstärke ist die Anleitung ausgelegt? Wieviel Garn wird insgesamt benötigt?
  • Die verwendete Nadelstärke und das verwendete Garn sind Basis für die Maschenprobe, d.h. wieviel Maschen und Reihen sind die Basis für die Maße des fertigen Stücks. Zu diesem Thema mehr Informationen weiter unten!
  • Für welche Konfektionsgrößen ist die Anleitung geschrieben? Sehr häufig finden sich in der Beschreibung detaillierte Maße des fertigen Kleidungsstücks.
  • Die Beschreibung gibt auch Hinweise auf verwendete Techniken wie Zöpfe, Hebemaschen oder verkürzte Reihen. 
  • Und natürlich wird man der Beschreibung auch entnehmen können, wie das Strickstück konstruiert ist: Ob z.B. ein Oberteil nahtlos in einem Stück gearbeitet wird oder in Einzelteilen, ob von unten nach oben oder andersherum gestrickt wird, oder wie z.B. die Ärmel eingesetzt werden. 
  • Nicht immer, aber mitunter findet man auch Hinweise auf den Schwierigkeitsgrad der Anleitung in der Beschreibung. 

Du siehst, ein Blick in die Beschreibung des Modells kann dir zeigen, ob die Anleitung wirklich etwas für dich ist. Ein Tuch oder ein Oberteil können noch so schön sein – wenn man schon im Vorfeld erahnen kann, dass einem das Stricken nicht viel Spaß machen würde, dann sollte man sich vielleicht nach einer Alternative umsehen. Bevor man das Gestrickte am Ende unfertig und frustriert in die Ecke wirft. 

Wie finde ich das passende Garn für mein Projekt? 

Nicht immer kann oder möchte man das Garn oder die Wolle verwenden, die in einer Anleitung angeführt ist. Um eine geeignete Alternative zu finden, ist ein Vergleich der Garnstärken ein erster Schritt. Die Lauflänge gibt einen Hinweis darauf, ob Garne eine vergleichbare Stärke haben. Fast immer geben Garnhersteller eine Maschenprobe an. Die Maschenprobe aus der Anleitung und die des Ersatzgarnes sollten so weit wie möglich übereinstimmen. Individuelle Abweichungen lassen sich dann in der Regel mit der Wahl der Nadelstärke – dicker oder dünner – ausgleichen. Mehr zum Thema Garnauswahl und „Ersatzgarnen“ könnt ihr demnächst hier in unserem Blog lesen!


Abkürzungen in Strickanleitungen verstehen

2re zsm, 1ZunL, U, Rndm?! 1li, 1M abh FvdA? 
Ja, zugegebenermaßen können Strickanleitungen auf den ersten Blick ein bisschen aussehen wie verschlüsselte Geheimnachrichten. Vielleicht sogar ein wenig abschreckend? Keine Sorge! Die verwendeten Abkürzungen werden immer in einem Abkürzungsverzeichnis erklärt, das sich zu Beginn oder am Ende der eigentlichen Anleitung befindet. Und da es immer wirkliche Abkürzungen und keine Fantasie-Codes sind, erschließen sie sich sehr schnell – und dann ist man dankbar, da die Abkürzungen die Anleitungen sehr viel übersichtlicher machen, als wären sämtliche Anleitungsschritte mit ganzen Wörtern ausgeschrieben.

1M abh FvdA ist schon lang. Aber 1 Masche abheben mit dem Faden vor der Arbeit ist nochmal ein ganzes Stück länger… Die Anleitungsschritte sind wirklich übersichtlicher mit den Abkürzungen!
Leider sind die Abkürzungen nicht standardisiert. Sehr häufig wird z.B. in deutschsprachigen Anleitungen die Masche mit einem großen M abgekürzt, und der Maschenmarkierer mit einem kleinen m. Aber dann geht es auch mal umgekehrt, oder der Maschenmarkierer firmiert mit dem Kürzel MM. Aber das sei nur am Rande erwähnt, denn je häufiger man nach Anleitung (unterschiedlicher Designer) gestrickt hat, desto schneller erfasst man auch etwaige Unterschiede. 
Man kann sagen, dass die Strickabkürzungen ein bisschen wie eine kleine Fremdsprache (mit Dialekten 😉) sind, die sich schnell erlernen lässt und die einem die Verständigung in der Strickwelt dann aber ganz ordentlich erleichtert. 

Strickanleitungen finden 

So, du möchtest also etwas stricken nach Anleitung. Sagen wir, einen Pullover. Wo findest du nun aber am besten eine Anleitung? 
Da gibt es drei Möglichkeiten: Strickbücher, Zeitschriften und das Internet.
Vielleicht hast du in deinem Bücherregal schon das ein oder andere Strickbuch stehen? Prima. Schau doch einfach mal rein, vielleicht findest du ein Modell, dass dir gut gefällt. 
In den letzten Jahren gibt es immer mehr Strickzeitschriften auf dem deutschsprachigen Markt. Das ist dann ein ganzes Heft voll mit nichts als lauter Anleitungen für Gestricktes. Oft widmen sich die einzelnen Ausgaben dieser Zeitschriften oder Magazine einem bestimmten Thema, z.B. Nahtlos Stricken, Sommermode Stricken, Socken Stricken usw. Aber auch die gängigen Frauenzeitschriften haben immer mal wieder ein „Strick-Extra“. Solche Zeitschriften sind eine wunderbare Inspirationsquelle, wenn man noch nicht genau weiß, was man überhaupt stricken möchte.
Ebenfalls eine tolle Möglichkeit, Ideen zu schöpfen, sind die Websites von Garnherstellern. Schau doch mal hier in unsere Anleitungen von Pascuali – du kannst alle Anleitungen als PDF zum Ausdrucken bestellen. Zu fast allen Anleitungen gibt es auch komplette Garnpakete. 
Wenn du eine ziemlich genaue Vorstellung davon hast, wie „deine“ Anleitung aussehen soll und wenn du – leider! – bei uns nicht fündig geworden bist, dann gibt es eigentlich nur eins: Ravelry. 

Ravelry 

Ravelry ist eine sehr große Online-Plattform, bei der sich alles ums Stricken, Häkeln und um Wolle und Garne dreht. Hier findest du mittlerweile weit über 600.000 Strickanleitungen und dazu ein großes Forum, in dem du dich mit Gleichgesinnten austauschen kannst. (Aber darum soll es hier jetzt nicht gehen). Der Zugang zu Ravelry ist kostenlos, du musst dich nur registrieren und kann dir alle Inhalte ansehen. Die Anleitungen, die du über eine umfangreiche Suchfunktion finden kannst, stammen von Designern, Magazinen und Verlagen oder – wie Pascuali Designs – auch von Garnfirmen. 
Über die Suchfunktion kannst du dir „deinen“ Pullover (und natürlich jedes andere Strickstück) herausfiltern, indem du die Merkmale anklickst, die er aufweisen soll: Ausschnittform, Konstruktionsweise, Garnstärke und vieles mehr. 
Der große Vorteil: Man kann sich die Beschreibungen der Modelle – fast immer mit Fotos – ansehen, und außerdem gibt es bei nahezu allen Anleitungen auch die Verlinkung zu Projekten, die andere Stricker/innen bereits daraus gestrickt haben. Das ist eine tolle Inspirationsquelle, du kannst dir ansehen, wie so ein Pullover an unterschiedlich gebauten Menschen sitzt, wie er in verschiedenen Farben aussieht oder in den unterschiedlichsten Garnen. 
Wenn du dich entschieden hast, klickst du auf Kaufen und dann gehört die Anleitung dir. 

Kostenlose Strickanleitungen 

Wenn du sparen musst oder möchtest, kannst du dir auch ausschließlich kostenlose Anleitungen anzeigen lassen. Darunter findest du durchaus auch Modelle namhafter Designer/innen. Manchmal sind die Anleitungen nur für einen bestimmten Zeitraum kostenlos, oft sind es Modelle oder Werbeaktionen von Garnfirmen oder einfach Goodies, mit den Designer/innen Danke sagen möchten. Es kann sich durchaus lohnen, dort zu stöbern.

Und nun ran an die Nadeln 

Du hast also die passende Anleitung für Dein Projekt gefunden, die Wolle oder das Garn und die Nadeln liegen parat – dann kann es losgehen, oder? 

Hassliebe Maschenprobe

An ihr scheiden sich die Geister: während die einen das Stricken einer Maschenprobe entspannt als „Yarn Tasting“, also als „Garnprobe“ sehen, bekommen andere Stricker/innen schon allein beim Gedanken daran die Krise. Warum soll man sich damit aufhalten, „es wird schon passen, oder?“. Die Antwort ist – zumindest auf Kleidungsstücke bezogen – ein klares NEIN! Bei einem Schal oder Tuch ist es in der Tat nicht so dramatisch, wenn deine Maschenprobe von der der Anleitung abweicht. Wenn die fertige Größe nicht ganz mit den geplanten Maßen übereinstimmt, ist es nicht ganz so schlimm. Außer vielleicht, dein Garn reicht dann plötzlich nicht. 

Strickst du einen Pullover, und deine Maschenprobe weicht auch nur um eine einzige Masche von der der Anleitung ab, kann das deutlich sichtbare Folgen haben. Ein kleines Rechenbeispiel: 
Deine Maschenprobe soll 18 Maschen auf 10 cm betragen. Der Pullover, den du strickst, hat im Brustbereich 204 Maschen = 113 cm Umfang. Wenn deine tatsächliche Maschenprobe nun aber 17 Maschen auf 10 cm beträgt (ach, nur eine Masche weniger…), dann beträgt der Umfang des Pullovers damit 120 cm. Das sind gleich ganze 7 cm Unterschied. Und auch mit einer Masche mehr sieht es nicht besser aus: Bei 19 Maschen auf 10 cm „schrumpft“ der fertige Pullover auf 107 cm Umfang. Je nachdem, ob der Pullover leger oder eher figurbetont sitzen soll hat man durch die abweichende Maschenprobe ungewollt einen schlechtsitzenden (oder gar nicht passenden) Pullover gestrickt.

Selbst wenn du das Originalgarn aus der Anleitung verwendest, solltest du nicht auf die Maschenprobe verzichten: Jede Stricker/in strickt anders! 
Deshalb unsere Bitte: Nimm dir die Zeit und stricke eine Maschenprobe! Weicht sie von der Anleitung ab, gehe eine Nadelstärke rauf oder runter. Mitunter führen auch unterschiedliche Nadelspitzen (z.B. Holz oder Metall) zu unterschiedlichen Ergebnissen. Manchmal muss man einfach ein wenig experimentieren. Und wenn du es ganz richtig machen willst, wäscht du sie hinterher und nimmst auch von der getrockneten Maschenprobe Maß. Dann weißt du, wie sich dein Strickstück nach dem Waschen verhält – ob das Garn eher einläuft oder etwas nachgibt – und vermeidest so böse Überraschungen. 

Genau Maß nehmen 

Du solltest dir auf jeden Fall die Zeit nehmen, und die Maßangaben für deinen Pullover (und natürlich alle anderen Oberteile, die du stricken möchtest) ansehen. In der Regel geben Designer/innen die Maße des fertigen Oberteils an und dazu auch eine Empfehlung, ob das Stück eher körperbetont oder lässig sitzen soll. Vergleiche diese Maße mit deinen Körpermaßen. In der Regel orientiert man sich am Brustumfang, um die richtige Größe zu finden. Je nach Art der Konstruktion kann es aber auch Sinn machen, einen Blick auf die Schultermaße zu werfen, z.B. bei Oberteilen mit eingesetzten Ärmeln oder wenn du sehr schmale Schultern im Vergleich zur Oberweite oder umgekehrt hast.

Strickanleitung Schritt für Schritt 

Du hast eine perfekte Maschenprobe, das Garn und die Nadeln liegen parat und es kann losgehen!
Am besten liest du dir die gesamte Anleitung einmal grob durch, damit du eine Vorstellung davon hast, was wann an welcher Stelle passiert. Wenn du eine ausgedruckte Anleitung hast, kannst du dir mit einem Textmarker alle Zahlenangaben für deine Größe markieren – das macht es später beim Stricken einfacher und hilft, Fehler zu vermeiden. Beim ersten Durchlesen der Anleitung solltest du dir nicht zu viele Gedanken machen – manches, das theoretisch kaum verständlich erscheint ist ganz einfach, wenn man die Nadeln in der Hand hat und einfach – den Anweisungen folgend – drauflos strickt! 

Wenn du mal gar nicht weiter kommst und niemanden hast, den du fragen kannst, ist das Internet oft ein schneller Retter: Gib deine Frage oder dein Problem in die Suche ein und mit Sicherheit hast du schnell eine Vielzahl von (Video-) Tutorials gefunden, mit denen du bestimmt weiterkommst. Hilfe findest du aber auch in Internetforen, oder du fragst direkt bei den Designer/innen nach. 

Strickschriften lesen 

Wenn du ein Stück mit einem speziellen Muster strickst – seien es Lace-Muster, mehrfarbige Jacquard-Muster wie z.B. Fair Isle oder auch plastische Strukturen wie Zopfmuster, dann findest du in der Strickanleitung meist eine Strickschrift. Das ist eine schematische Darstellung des Musters, in der die einzelnen Maschen mit bestimmten Symbolen dargestellt sind. In einer Legende werden diese erklärt. Die Strickschrift bildet meist einen stets zu wiederholenden Bereich ab, den Musterrapport. Jedes Kästchen steht für eine Masche, und das jeweilige Symbol erklärt, wie sie zu stricken ist. Mitunter finden sich zusätzlich zur Strickschrift auch ausgeschriebene Anleitungen der Mustersätze. 


Das Strickstück fertigstellen 

Und so strickst du dich nun durch die Anleitung. Abschnitt für Abschnitt, bis du am Ende ein (fast) fertiges Strickstück in den Händen hältst. Hattest du dich für ein nahtloses Modell entschieden? Dann musst du nur noch die Fäden vernähen! Hast du in Einzelteilen gestrickt, musst du natürlich noch die Nähte schließen. Und dann ist es Zeit, dem wolligen Teil ein Entspannungsbad zu gönnen, es liegend trocknen zu lassen und eventuell ein wenig in Form ziehen. Fertig! Wenn du mehr über das richtige Waschen von Wolle erfahren möchtest, findest du eine Menge Tipps in unserem Blogpost über die richtige Pflege von Strickstücken