Pascuali filati naturali Strickwolle Stricken Geschichte

Stricken geschichtlich betrachtet: Viele Rätsel bleiben.

Die Geschichte des Strickens ist und bleibt rätselhaft. In Asien sollen sich die Menschen schon vor 4000 Jahren Socken aus Wolle gestrickt haben. Andere Quellen datieren die Anfänge des Strickens auf das 16. Jahrhundert. Ist Stricken also relativ „modern“?

Aus der Zeit der Antike sind keine echten Strickteile erhalten, auch indirekt weist nichts darauf hin, dass das Stricken in dieser Zeit bereits bekannt gewesen sein könnte. Die ältesten archäologisch gesicherten Textilfragmente, die von einigen Forschern als Gestricke eingeordnet worden sind, wurden in den 1920/30er in einer um 300 v. Chr. gegründeten römischen Festung im heutigen Syrien gefunden. Diese waren aber nicht mit zwei Nadeln gestrickt, sondern nadelgebunden, d.h. mit einer Art Nähnadel aus relativ kurzen Fäden gefertigt. Auch bei Socken, die im 3.–5. Jahrhundert n. Chr. angefertigt und später in Ägypten ausgegraben worden sind, handelt es sich um nadelgebundene Arbeiten.

Als Hinweis auf Strickkenntnisse in der Spätantike gilt ein knöchernes Nadelpaar, das in einem Frauengrab in Thüringen gefunden und etwa auf das Jahr 300 n. Chr. datiert wurde. Ähnliche Artefakte, die etwa aus derselben Zeit stammen, wurden 1903 in einem römischen Gräberfeld im französischen Metz gefunden. Aus der Merowingerzeit (etwa aus dem Jahr 500) stammen archäologisch sichergestellte eiserne Nadeln, die von einigen Forschern ebenfalls als Stricknadeln eingestuft wurden. Ob das richtig ist, ist zweifelhaft, denn während schon 30.000 Jahre alte gewebte Stoffe gefunden wurden, stammen die ältesten erhaltenen unzweifelhaften Gestricke aus frühmittelalterlicher Zeit.

Möglicherweise waren es die in Spanien eindringenden Araber, die das Stricken nach Europa brachten. Die Zahl der Fundstücke ist jedoch zu gering, um den vermuteten Ursprung des Strickens im arabischen Raum wissenschaftlich zu sichern.

In Europa hat das Stricken ab etwa dem 14. Jahrhundert sichtbare Spuren hinterlassen. Im Hochmittelalter erscheinen erste bildliche Darstellungen des Strickens. Mehrfach wurde die strickende Madonna dargestellt, etwa in La Santa Famiglia (um 1345), in Madonna dell’Umiltà (1353) und auf dem Meister Bertram zugeschriebenen Altarbild Unsere Liebe Frau (um 1400), auf dem Maria mit vier Nadeln einen Rock für das Jesuskind strickt. Das letztgenannte Bild ist gleichzeitig eine der ältesten Darstellungen des Rundstrickens mit einem Nadelspiel.

Die erste Erwähnung des gewerblichen Strickens findet sich im Jahr 1268 in Paris. Die Gilde der Pariser Stricker wird zudem 1366, 1380 und 1467 erwähnt. Auch in Doornik in den Niederlanden (1429) und in Barcelona (1496) sind Gilden von Strickern beurkundet. Für Deutschland sind im Jahr 1600 erstmals die Nürnberger Hosen- und Strumpfstricker urkundlich erwähnt. Die Entwicklung des Handstrickens hin zu einem anerkannten Handwerk ist nicht zuletzt durch den Aufstieg der Pariser Handstricker zu einer der sechs wichtigsten Handwerkergilden belegt.

Richtig in Mode kam das Stricken zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Interessanterweise war das Stricken anfangs eine Beschäftigung für Männer, während es später als klassische Frauenbeschäftigung galt.

Begann die Geschichte des Strickens durch die wachsende Beliebtheit von wärmenden Socken aus Wolle, machte die Erfindung der Strickmaschine viel Handarbeit überflüssig. Als Freizeitbeschäftigung erfreut sich das Stricken aber auch heute noch und wieder großer Beliebtheit bei vielen Menschen. Und hier schließt sich der Kreis: Wie um das Jahr 1520 in Paris, so versucht sich auch heute wieder eine wachsende Zahl von Männern an der Kunst des Strickens. Auch bei jungen Menschen unter 35 ist diese Form der Handarbeit wieder angesagt.

Quellennachweis: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Stricken

http://www.t-online.de/ratgeber/freizeit/hobby/id_51712286/die-geschichte-des-strickens-textilien-mit-tradition.html